Datenschutz & Impressum

Search

mgbb logo
Welcome Wall Web China
Der Einladung der „Aero Sports Federation of China“ (ASFC) folgend, durfte ich vom 6.-11. November 2018 an der „Henan Province Air Sports School“ in Zhengzhou Punktrichter, Piloten und Coaches mit den Kriterien und Schwerpunkten der Bewertung von F2B Flügen vertraut machen.


image.png
An sich keine grosse Sache, dachte ich, habe aber dennoch eine umfangreiche Präsentation erstellt und darüber hinaus etwas über die Sitten und Gebräuche in China gelesen - was sich als hilfreich herausstellte, war ich doch so in der Lage, anlässlich der vielen offiziellen Essen nicht nur die wirklich sehr zahlreichen Trinksprüche halbwegs korrekt zu erwidern, sondern diese auch einigermassen unversehrt zu überstehen.

Nach einer etwas mühseligen Reise von fast 24 Stunden wurde ich von einer ASFC Delegation am 5.11. auf dem internationalen Grossflughafen der Industriestadt Zhengzhou (600 Km südlich von Peking) in Empfang genommen.
Ab diesem Zeitpunkt bis und mit dem Einchecken für den Rückflug 4 Tage später wurde ich dann von meinem 3-Leute Care Team unglaublich höflich, aufmerksam und sehr respektvoll umsorgt. 

Die Luftsportschule der Provinz Henan, diese hat immerhin 95 mio. Einwohner, ist eine staatliche Einrichtung und bildet Fallschirmspringer, Flächen- und Helipiloten, Modellflieger und Wartungstechniker aus.
Für die Fallschirmspringer steht eine hochmoderne Freifall-Anlage mit einem mächtigen Vertikalgebläse bereit, und der Flugzeugpark umfasst - neben den unverzichtbaren Antonov - eine Reihe Turboprop Maschinen, darunter auch ein Pilatus Porter. 

Ein perfekter 60 m Hartbelag Kreis für F2B, beliebig Platz für den Betrieb von R/C Modellen sowie modernste Schulungsräume stehen zur Verfügung. Alle Auszubildenden und Lehrer/Trainer sind vollamtliche Profis.
Anlässlich unseres Besuches, ich wurde an den ersten zwei Tagen von CIAM Vizepräsident Bruno Delor begleitet, durften wir am ersten Tag auf dem Platz spektakuläre Demonstrationen der Fallschirmspringer beobachten.
Das freundliche Angebot eines Tandemsprunges habe ich dann allerdings doch nicht berücksichtigt. 

Auch eine F2B Demonstration wurde uns angekündigt, was mir, im Anbetracht der vorgerückten Zeit, nicht gar so wichtig erschien. Allerdings war es dann so, dass die Vorführflüge der Piloten auf ihrer Heimanlage eindrücklich waren.
Natürlich wurde mir, und 15 anderen, dazu ein Wertungsblatt in die Hand gedrückt, und ich war aufgefordert, nach dem Flug alle Manöver zu kommentieren und meine Benotungen zu begründen.
Nun bin ich zwar nicht unbedingt der erfahrenste Punktrichter, aber ich darf behaupten, die Spielregeln ziemlich im Detail zu kennen. Genau das war dann das Problem.
Denn was diese wahren Meister mit ihren e-Sharks in die Luft zeichneten gehörte zum Besten, was ich je gesehen habe - was dazu führte, dass ich fast keine Fehler registrieren konnte und in der Tat eine Anzahl 10er notierte.
Damit war das De-Briefing relativ kurz und alle sichtlich zufrieden. Mein Vorschlag, bei meinem nächsten Besuch selbst zu fliegen - und damit die Punktrichter etwas mehr zu fordern - wurde dankbar aufgenommen. 

Die abschliessende Vorführung eines Jet-Modells eigener Konstruktion war insofern sehr interessant, als dass uns nach der Landung nebenbei mitgeteilt wurde,
dass die Schule vom gleichen Typ 25 Einheiten im Betrieb habe und man gegenwärtig daran sei, dafür Systeme für vollautomatischen Formationsflug zu entwickeln.

Gerade noch rechtzeitig vor dem abendlichen, offiziellen Essen wurden mir dann 2 Stunden Zeit für meine Präsentation eingeräumt. In aller Eile versuchte ich, meine für zwei Tage konzipierte Präsentation auf das Wesentlichste zu kürzen.
Im Anbetracht des hohen Wissenstandes aller Teilnehmer war das, wenn auch ungern, zu verantworten. Dummerweise waren aber alle Informationen und Befehle auf dem Bildschirm des vorhandenen Computers in chinesischen Zeichen dargestellt.
Kein Problem für chinesische Meister der Improvisation und für schweizerische Söldner in Fernost.

Einigermassen erstaunt war ich aber, als ich feststellte, dass unter den ca. 30 Teilnehmern sowohl eine ganze Reihe von F2B Weltmeistern als auch der für den nationalen Leistungsstand verantwortliche Chef-Coach der AFSC anwesend war.
Dazu hochqualifizierte, nationale Punktrichter, deren Erfahrung teilweise bis zur WM 1994 in Shanghai zurückreichte. Auch der eine oder andere Pilot ist dort geflogen und hat höflicherweise erwähnt, sich an meine Flüge von dazumal zu erinnern.


Die vor diesen hochqualifizierten Teilnehmern vorgetragenen Inhalte wurden ganz still und sehr aufmerksam entgegengenommen und mit fleissigem Gekritzel kleinster Zeichen sorgfältig dokumentiert. Zwischenfragen zu stellen, gilt als unhöflich,
und so habe ich die zwei Stunden exakt eingehalten. Die anschliessende, offene Diskussion war, mehr für den Dolmetscher als für mich, streckenweise eine Herausforderung. Dies vor allem, weil die Redner, im gewohnt militärisch klarem Ton,
jeweils mehrere Minuten nonstop ihre Sache vortrugen und die offenbar rangniedrigeren Kameraden ebenso lange antworteten.

Dass ich danach den Teilnehmern den Stick mit der ungekürzten Präsentation und weiteren Dateien sowie ein ausgedrucktes Exemplar überlassen habe, wurde wohlwollend verdankt - und schon waren wir bereit für das nächste Essen... 

China und die Chinesen sind sehr eindrücklich und, zumindest so wie ich es erleben durfte, völlig anders als es die Bilder und Kommentare in unseren Medien vermitteln. Die Menschen sind bescheiden,
sehr korrekt und herzlich. Zusammen mit meinem Team und mit „Carrie“ meiner persönlichen Assistentin (28 Jahre, hübsch, Bachelor law) durfte ich im Anschluss an den offiziellen Teil einige historische Stätten besuchen.

Hier noch ein Nachtrag zur Technik:

Die Profi-Mitglieder der F2B Nationalmannschaft fliegen seit 2016 drei elektrische Original Sharks dieser Konfiguration:
Gewicht: 1‘800 Gr.
Motor: Dualsky modif.
Regler: Jeti
Timer: Burger
Batterie: 5S, Sonderanfertigung (ca. 300 Gr.)
Propeller: 3-Blatt carbon 12 x 6 (14 Gr), Tractor, Sonderanfertigung
Leinen: 20 m
Geschwindigkeit: 5.2 sec. Runde
Kommentar: „Very difficult to fly“ (Verdacht PG: Tractor bedingtes e-hunting im Rückenflug)

Zur Zeit entwickeln die Chinesen eine eigene Konstruktion für die Teilnahme an der WM 2020. Sie haben mich um die Pläne des „My Way“ gebeten und diese unterdessen erhalten. 

14. November 2018, Peter Germann

Regionaler Modellflugverband Nordwest

MGBB Kalender

No events found
Go to top
Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
Weitere Informtionen Ok Ablehnen